Ich bin endlich mal wieder zum lesen gekommen und will meine Erfahrung mit euch teilen! Heute geht es um den Science-Fiction Klassiker "1984" von George Orwell!
Darum geht´s:
Im Orwell-Staat wird eine neue Sprache verordnet, das sogenannte "Neusprech". Zusammen mit dem sogenannten "Zwiedenk" soll den Menschen das Denken abgewöhnt werden. Orwell beschriebt eindrucksvoll, wie durch Veränderung der Sprache der Manipulation des Volkes durch die herrschende Klasse Tür und Tor geöffnet werden kann. Besonders deutlich wird das, wenn die unmenschlichsten Züge eines Systems mit wohllautenden Namen besetzt sind. So gibt es zum Beispiel ein "Liebesministerium". Es sorgt nicht etwa für den liebevollen Umgang der Menschen untereinander, sondern "lehrt" den Abtrünnigen und Andersdenkenden mittels grausamster Foltermethoden den "Großen Bruder" zu lieben. Im "Ministerium für Wahrheit" werden Geschichte und Gegenwart dem gegenwärtigen politischen System angepasst.Wahr ist, was der "Große Bruder" als wahr definiert. Dem Volk wird klargemacht, dass alles immer schon so war, wie es jetzt ist. Anderslautendes wird aus Zeitschriften und Büchern und damit aus dem Gedächtnis der Menschen systematisch entfernt. Das "Friedensministerium" hingegen plant "Friedensmissionen", die nichts anderes sind als Kriegseinsätze. Wer wollte sich da noch wundern, dass sich hinter "Lustlagern" Zwangsarbeitslager der übelsten Art verbergen. (Quelle: amazon.de)
Meine Meinung: Nach zahlreichen Teenie-Liebes-Dystopien á la Tribute von Panem oder der Divergent-Trilogie war diese Art des Dystopie-Romans mal eine ganz angenehme Abwechslung! Mit einer unglaublichen Genauigkeit lässt Orwell seine Hauptfigur Winston Smith die Grundzüge der Gesellschaft, in der die Geschichte spielt, beschreiben. Dabei liegt der Fokus anfangs weniger auf der tatsächlichen Handlung, sondern mehr auf der Beschreibung. Dies wird aber spätestens ab dem zweiten Teil der Handlung geändert. Mit der Einführung der Figur Julia erhält man eine weitere Sichtweise auf die Dinge und Abläufe im Staat, der vom "Großen Bruder" überwacht und geleitet wird. Außerdem stellt sie einen wunderbaren Kontrast und gleichzeitig eine Ergänzung zu Winston dar. Trotzdem macht der Roman keine unrealistischen Hoffnungen, wie man es vielleicht von anderen Dystopie-Romanen gewohnt ist. Im Endeffekt ist der Roman eine einzige Erzählung darüber, wie sich jemand mit dem System anlegt und darauf hin verliert. Es erfüllt einen gewissermaßen mit Unzufreidenheit und Zufriedenheit zugleich, wenn Winston am Ende (***ACHTUNG SPOILER***) geschunden von den Qualen im Ministerium für Liebe so weit gebrochen wurde, dass er sein Denken komplett geändert hat und sich dem System bedingungslos beugt. Es zeigt auf der einen Seite, dass das Gute einfach nicht immer siegen kann und macht damit auf der anderen Seite deutlich, wie gefährlich ein total vom Staat überwachtes System ist. (***SPOILER ENDE***)
Zusammenfassend kann ich das Buch nur jedem empfehlen! Auch Leute, die keine Fans von Science-Fiction Romanen sind, kommen hier voll auf ihre Kosten, da das Buch viele politische Aspekte einer Staatsform thematisiert.
Ich hatte übrigens eine Ausgabe des Romans mit einem Vorwort von Thomas M. Disch, die ich nur weiterempfehlen kann. Kaufen könnt ihr sie hier.


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